Anna Zielenziger

In Potsdam wird derzeit darüber entschieden, ob drei neue Straßen in der Stadtmitte nach Frauen benannt werden sollen. Hier stellen wir die Frauen vor, um die es geht. 

Anna Zielenziger mit ihrem Mann Julius, 24.4.1936 © Ellen Fränkel

Anna Zielenziger geb. Landsberger
(*1867 Glogau – †1943 Westerbork) 1906 bis 1933 Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins Potsdam

Anna Zielenziger war die jüngste Tochter einer einflussreichen jüdischen Bankiersfamilie im preußischen Glogau. Die Heirat mit dem jüdischen Kaufmann Julius Zielenziger führte die 21-Jährige 1888 nach Potsdam. Dessen Vater betrieb seit 1848 eine Getreidegroßhandlung in der Französischen Straße 25.

Das Paar bekam zwei Kinder. Anna Zielenziger sorgte für deren Erziehung und organisierte den Haushalt. Darüber hinaus engagierte sie sich im „Israelitischen Frauenverein“, der 1851 in Potsdam gegründet wurde. Er war einer von vielen der seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstehenden Frauenvereine, die die Wurzeln der späteren jüdischen Frauenbewegung bildeten. Die Mitglieder sammelten für wohltätige Zwecke, dazu zählte auch die Unterstützung von Studium und Berufsausbildung von Mädchen und jungen Frauen. Den Vorsitz hatte von 1906 bis 1933 Anna Zielenziger inne. Hinzu kam für sie eine Reihe von repräsentativen Pflichten, denn Julius Zielenziger war unter anderem Abgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei und Potsdamer Stadtrat, Vorsitzender der Synagogengemeinde Potsdam und Schatzmeister der Handelskammer.

1938 verstarb Julius Zielenziger. Anna Zielenziger entschied sich, zu ihrem Sohn nach Amsterdam zu emigrieren. Damit begann ein entwürdigender Prozess der Enteignung durch die nationalsozialistischen Finanzbehörden. Im Mai 1939 wurde der 71-Jährigen die Ausreise gestattet. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande begann die erneute Verfolgung der Familie. Anna Zielenziger wurde im Mai 1943 in das polizeiliche Durchgangslager Westerbork deportiert, wo sie im November verstarb. Ein Stolperstein in der Potsdamer Gutenbergstraße 61 erinnert seit dem 9. März 2009 an Anna Zielenziger.

Ein örtlicher Bezug ergibt sich durch die Lage der ehemaligen Synagoge neben der heutigen Hauptpost am Platz der Einheit und der geplanten neuen Synagoge in der Schloßstr. Außerdem traf sich der Israelitische Frauenverein auch im „Hotel zum Einsiedler“ in der Schloßstr. 8 (heutiger Baugrund für Synagoge).

Weitere Informationen:

Jeanette Toussaint: Zwischen Tradition und Eigensinn. Lebenswege Potsdamer Frauen vom 18. bis 20. Jahrhundert. Hg. vom Autonomen Frauenzentrum Potsdam e.V. Potsdam 2009, S. 54-69.

Jeanette Toussaint: „Möge der Frauenverein blühen und gedeihen in alle Zukunft!“ Der Israelitische Frauenverein Potsdam und dessen Vorsitzende Anna Zielenziger, in: Elke-Vera Kotowski (Hg.): Salondamen und Frauenzimmer. Selbstemanzipation deutsch-jüdischer Frauen in zwei Jahrhunderten. Berlin/München/Boston 2016, S. 53-65

und hier.

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